Liebe Fischerkolleginnen und Fischerkollegen Unser Vereinsjahr neigt sich dem Ende entgegen, folglich ist es wieder Zeit, ein Resümee zu ziehen. Fischereilich dürfen wir von einem eigentlichen erfolgreichen Jahr sprechen. In den Fliessgewässern und Bergseen sind mir verschiedentlich sehr schöne Fänge zu Ohren gekommen und im Petri-Heil war der Kanton Uri auch mit Fangberichten stets vertreten. Leider haben wir am 22. & 23. August mit dem Hochwasser einen Dämpfer erlitten. Bei diesem Ereignis muss beim Kärstelenbach, Isenthalerbach und beim Schächen inklusiv Aesch und Brunnital von einem Totalverlust ausgegangen werden. Im Gegensatz zum Unwetter von 1977 will man aber der Schächenbach fischereilich nicht schliessen, sondern mit einem vernünftigen Besatz wieder auf Vordermann bringen. Es kann davon ausgegangen werden, dass diese Fliessgewässer in den nächsten 2 Jahren in der Fangstatistik nicht an vorderster Front sein werden. Betreff Unterschriftensammlung unserer Volksinitiative "Lebendiges Wasser" bin ich von den Mitgliedern unseres Vereins doch mehrheitlich enttäuscht, so haben wir beim Versand unseres Jahresprogramms Anfangs April jedem einen Unterschriftenbogen dazugelegt. Der Rücklauf dieser Bögen war sehr gering. Liebe Freunde, bei dieser Initiative wird nur mit Nachdruck gefordert, was die Kantone seit Jahren bewusst verschlafen. Die Umsetzung des Restwassersanierungsberichts welcher im Kanton Uri als ein "hoch geheimes Dokument" scheint, fällt den Kantonen sehr schwer. Der Inhalt der Initiative sieht vor, dass die Kantone die Restwasserauflagen auch umsetzen, dem Schwall-Sunkbetrieb mehr Beachtung schenken und entsprechend den Schäden, welche nicht direkt verrechnet werden können, einen Renaturierungsfonds errichten. Eine deutliche Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer hat genug von trocken gelegten Bächen und verbauten Flüssen. Eine Umfrage, welche im Auftrag des WWF das Forschungsinstitut gfs-Zürich im Mai 2004 durchgeführt hat, hat ergeben, dass über 70% der Bevölkerung eine Entwicklung hin zu mehr naturnahen Gewässern unterstützt. Also Kameraden, legen wir uns nochmals ins Zeug und holen uns die restlichen Unterschriften, sie liegen auf der Strasse. Mehr Infos gibt es unter www.sfv-fsp.ch

Bewirtschaftung: Das Unwetter vom August hatte die Fischzuchtanlage im Rynächt vollkommen unter Wasser gesetzt. Im Rynächt sind die Bachforellenmuttertiere, die grösseren Besatzfische für den Göscheneralpstausee und die Bergseen untergebracht. Ca. 90% des Bestandes sind aus der Anstalt entwichen, entsprechend war der Verlust hoch. Durch rasches Handeln des Fischereiinspektors, welcher die Ersatzfische vom gleichen Stamm sofort reservieren liess, sind die Schäden wieder zu kompensieren. An dieser Stelle danke ich all den Helfern, welche beigetragen haben, die Anlage wieder auf Vordermann zu bringen. Die stille Reuss, welche vom Unwetter sehr stark betroffen wurde, wird noch in diesem Jahr renaturiert. Der Besatz wurde in diesem Herbst nach den Vorgaben des neuen Bewirtschaftungskonzepts ausgeführt, wobei geschädigte Abschnitte mit einem Kompensationsbesatz berücksichtigt wurden. In den letzten Jahren ist der Ertrag von Aeschen stets zurückgegangen, so waren es im letzten Jahr noch 11 Aeschen, welche in der Fangstatistik eingetragen wurden. Dieser Zustand hat die Fischereiverwaltung dazu bewogen, die Aeschen ganz zu schonen und ein Neuanfang der Bewirtschaftung mit dem Fischereiverein zusammen vorzunehmen. Ich denke es lohnt sich, diesen Schritt zu machen, denn sobald der Walenbrunnen revitalisiert ist, hat die Aesche auch bessere Laichbedingungen und wenn ihr einmal die Bedingungen passen, ist sie nicht mehr wegzubringen. Das wärs doch oder?

Anlässe: Aufgrund des Neubaus in der Fischzuchtanlage Silenen haben wir uns dieses Jahr entschlossen einen Tag der offenen Tür durchzuführen. Leider hatte es der Wettergott wie so oft in diesem Sommer nicht gut gemeint - aber nichtsdestotrotz war der Aufmarsch doch beachtlich. Es hat uns gezeigt, dass in der Bevölkerung das Interesse an der Fischerei mit deren Fischzuchten vorhanden ist und dass eine solche Aktion irgendwann nach einer Wiederholung ruft. Am Fliegenfischerkurs haben 23 TeilnehmerInnen ihre Wurftechnik optimiert und auch das obligate Fischerlatein nicht zu kurz kommen lassen. Dieses Jahr haben wir Werni Glanzmann, Peter Fischer und Koni Bissig als Instruktoren gewinnen können. Ihnen gebührt ein herzliches Dankeschön. Koni Bissig habe ich am Samstagmorgen aus den Federn geholt, weil Werni Bürgin eine grössere Autopanne hatte. Er hat sich sofort bereit erklärt, als Instruktor einzuspringen, das nenne ich Spontaneität. Chapeau! Am Neu- und Jungfischerkurs haben dieses Jahr 40 Personen teilgenommen. Wir waren wiederum in der vereinseigenen Anlage in Silenen, welche sich für diesen Anlass ausgezeichnet eignet. Jeder Teilnehmer hatte wiederum die Gelegenheit einen Fisch zu fangen. Somit konnte man die waidgerechte Fischerei in der Praxis sehr gut erläutern. Die Form des Neu- und Jungfischerkurses fand ein sehr gutes Echo. Am 4. Juni waren wir mit den interessierten Neu- und Jungfischern an einem Praxistag am Golzernsee.
Dieses Jahr wurde in Thalwil erstmals eine Jungfischerolympiade durchgeführt bei der auch ein Urner Team beteiligt war. Fabio Sicher, Robin Müller und Noel Schuler haben bei dieser fairen Auseinandersetzung mit einem winzigen Punkt Vorsprung auf Anhieb gewonnen. Herzliche Gratulation!
Im weiteren organisierten wir einen Filetierkurs und einen Fliegenbindekurs, welche auf reges Interesse stiessen. Der Hauptbesatz in der Göscheneralp fand am 8. September beim traditionellen Mittagessen mit den Kraftwerkgewaltigen und der Urner Regierung in lockerer Form statt. Im weitern habe ich an diversen GV's der befreundeten Verbände in der Innerschweiz teilgenommen.

Fischereikommission: In der Fischereikommission beschäftigte uns vor allem das neue Bewirtschaftungskonzept für Fliessgewässer und Bergseen, welches vom Fischereibiologen Heinz Marrer aus Solothurn in Zusammenarbeit mit dem Urner Fischerei-Inspektor Hansruedi Zieri erstellt wurde. Es wurde auf der Grundlage der Fang- und Besatzstatistik der Jahre 1975 - 2002, den Ergebnissen von Testabfischungen, Schadensberechnungen, früheren Nährtiererhebungen und der allgemeinen Erfahrung abgestützt. Bei einzelnen Gewässern wurden die Besatzzahlen nach unten korrigiert und bei einzelnen nach oben. Im Wesentlichen darf man sagen, dass der Besatz der letzten Jahre auch ohne Bewirtschaftungskonzept hervorragend war. Die wesentliche Änderung die daraus resultiert, sind die verschiedenen Schonmasse (22 + 24 cm). Eine Tatsache ist, dass die Bachforelle bei kaltem Wasser und in höheren Lagen ein geringeres Wachstum aufzeigt, als die im Talboden bei "wärmerem" Wasser. Gemäss Bewirtschaftungskonzept sollte der Fisch nach dem erstmaligen, spätestens nach dem zweiten Mal ablaichen fangfähig sein, ansonsten die natürliche Mortalität zu hoch ist.
Wir dürfen nicht vergessen dass wir früher schon ein Schonmass von 22 cm hatten. Herr Marrer wird an der GV in gerafften Zügen das Konzept vorstellen. Da in diesem Zusammenhang das Fischereireglement verschiedene Änderungen erfährt, kam das Gwüestseeli auch zur Diskussion. Vom Gwüeschtseeli kommen immer wieder Reklamationen und Verzeigungen auf der Verwaltung an. Es werde mit Spinnern, Maden etc. gefischt, erlaubt sind aber nur Fliegen. Das Fliegenfischen ist für die Fische die schonenste und fairste Befischung, entsprechend darf im Gwüestseeli ab nächstem Jahr nur noch mit der Fliegenrute gefischt werden. Fischereiverwalter Benno Bühlmann wird an der GV gesamthaft über die Änderungen im Fischereireglement orientieren.

Allgemein: Zurzeit steht auf Bundesebene die Revision der Fischereiverordnung an. Darin wird für die Fischfangberechtigung ein Sachkunde-Nachweis gefordert. Auf Bundesebene sind keine rechtlichen Grundlagen für eine allgemeine Ausbildungspflicht oder Fischerprüfung vorhanden. Die tierschützerischen Aspekte aber zwingen uns immer mehr, sich solchen Gedanken zu nähern. Bei den Jungfischern bieten wir heute schon Kurse an, und für die Erwachsenen hat sich das Sportfischer-Brevet bestens bewährt. Zum heutigen Zeitpunkt kennen bereits 7 Kantone eine Ausbildungspflicht. Im weitern wird bei dieser Revision die Aufhebung des Schonmasses für Hecht und Barsch eingeführt, dies aufgrund des sich ausbreitenden Hechtbandwurms.

Dank: Zum Schluss bleibt mir der Dank an alle, die mit Rat und Tat dazu beigetragen haben, dass wir wieder ein erfolgreiches Vereinsjahr abschliessen können. Allen voran dem Vorstand. Der Dank geht auch an die Fischereiverwaltung, Fischereiinspektor Hansruedi Zieri, welcher dieses Jahr sein 25-Jahr Jubiläum feiert und Anlagewart Joe Senn, die sich das ganze Jahr für die Fischerei einsetzen und welche für unsere Anliegen immer ein offenes Ohr haben. Herzlichen Dank aber auch allen ungenannten Helfern und Fronarbeitern, welche die tägliche Kleinarbeit an Gewässern, in den Anlagen und bei der Bewirtschaftung leisten. Nicht zuletzt danken möchte ich auch den Instruktoren der Kurse, sei es der Fliegenfischerkurs oder Neu- & Jungfischerkurs. Wir brauchen aber auch die Mitglieder, denen es nicht möglich ist, praktisch für die Fischerei tätig zu sein, die aber treu jedes Jahr ihren Mitgliederbeitrag einzahlen.

Gurtnellen 25. Oktober 2005   Roger Schillig, Präsident