Liebe Fischerkolleginnen und Fischerkollegen in diesem Vereinsjahr sind verschiedene Themen welche mich in den vergangenen Jahresberichten beschäftigten ad acta gelegt worden. Die NEAT fährt mit ihren Baggern auf und beginnt den Talboden umzupflügen, ob gut oder nicht wird man vielleicht erst in 20 Jahren sehen, nur eines kann man heute schon sagen; der Walenbrunnen erfährt durch seine Revitalisierung eine schöne Aufwertung. Das Projekt Nationalpark ist kein Thema mehr, aber nachdem das Parlament entgegen dem Bundesrat sich für eine Revision des Natur- und Heimatschutzgesetzes entschieden hat, werden wir uns vielleicht in bälde mit einem Projekt Naturpark im Kanton Uri befassen müssen. Das Verbandsbeschwerderecht welche den Umweltverbänden zusteht wird einmal mehr von Wirtschaftskreisen ernsthaft hinterfragt. Durch das Verbandsbeschwerderecht sind vereinzelte Grossprojekte in letzter Zeit verzögert wenn nicht sogar verhindert worden, so zum Beispiel Stadionneubau Zürich. Es ist schade wenn ein solches für kleine Verbände wichtiges Instrument durch einzelne sture Haltungen grosser Verbände zum Beispiel des VCS das Verbandsbeschwerderecht in Frage gestellt wird. Die Einsprache des UFV betreff der NEAT erfolgte dank dem Verbandsbeschwerderechts. Eine kürzlich lancierte Volksinitiative des Anti-Jagd-Forums der Schweiz will die Hobby- und Sportfischerei neben der Jagd in der ganzen Schweiz verbieten. Wenn diese Initiative vorläufig noch von keiner grossen Trägerschaft unterstützt wird gibt sie doch zum Nachdenken Anlass. Die Fischer sind nicht schuld am Rückgang der Fischbestände, sondern sind besorgt um Hege und Pflege der Gewässer. Weshalb also die Fischerei verbieten? Das gleiche denke ich gilt auch für die Jagd. In der Fischerei findet mancheiner seine Freizeitbeschäftigung und gibt vielen Jungfischern die Möglichkeit ein intaktes Verhältnis zur Natur aufzubauen. Wollen wir unseren Jungen alles Sinnvolle wegnehmen und sie gleich auf die Strasse schicken. Ich schätze mich glücklich in einem Land zu leben das keine grösseren Probleme zu bewältigen hat. Der Schweizerische Fischerei-Verband wird voraussichtlich im Jahr 2005 eine Gewässerschutzinitiative lancieren. Erhebungen des Buwal haben ergeben, dass zwischen 1986 und 1996 allein die Bachforelle um 42% zurückgegangen ist. Der Grund dafür liegt darin, dass die Wasserqualität vielerorts nicht befriedigend ist, die Restwasserführung ungenügend ist, der Geschiebehaushalt schwerwiegend gestört ist und die Schwall- und Sunkwirkungen zum Tode von zahllosen Wasserlebewesen führt. Eine wichtige Ursache für die erwähnten Gründe liegt darin, dass die Politik wenig Feingefühl an Gewässer- und Umweltschutz hat, sind doch vielerorts die Politiker in den Verwaltungsräten der Kraftwerke involviert. Mit dieser Initiative will man Gegensteuer geben.

Bewirtschaftung: Leider hatten wir am 21. April einen Brand im alten Bruthaus in der Fischzuchtanlage in Silenen zu verzeichnen, welcher uns 50'000 Regenbogen-vorsömmerlinge vernichtete. Der Bachforellennachwuchs ist unbeschadet davongekommen da dieser im neuen Bruthaus untergebracht war. Für den Fischbesatz im Herbst benötigten wir wieder das Bruthaus. Entsprechend wurde sofort eine Baukommission gebildet welche schon am 4. Mai ein Baugesuch eingereicht hat. Am 4. September konnten wir mit einem kleinen Fest den Neubau abschliessen. An dieser Stelle möchte ich allen herzlichst danken welche in irgendeiner Form mithalfen diesen Effort zu bewerkstelligen, denn hinter solch einem Projekt stehen sehr viele Frondienststunden. In den Aufzuchtanlagen in Flüelen und Silenen wurde auch dieses Jahr wieder hervorragende Arbeit geleistet. In Silenen waren zwischenzeitlich Abgänge zu verzeichnen wobei es sich einmal mehr bewährt hat dass immer die gleichen Fachkräfte auf der Anlage sind. Sie erkennen Krankheiten im Anfangstadium und können schneller reagieren. Dies verdanken wir Fischer bestens bei Hansruedi Zieri und Joe Senn, welche sich täglich der Aufzucht widmen. Dieses Jahr wurden die Bergseen mitunter mit 1½-jährigen Regenbogenforellen besetzt. Ich bin davon überzeugt, dass dies auf die Fänge im 05 positiv niederschlagen wird, entsprechend werden die Jahrespatente für die Unent-schlossenen wieder interessanter. Alle die beim Fischbesatz mitgeholfen haben konnten sich selber davon überzeugen und jene die beim nächsten Mal auch dabei sein wollen, melden ihre Adresse am besten dem Präsidenten. Im weiteren verweise ich auf die Besatzliste welche an der GV aufliegt.

Anlässe: Am Fliegenfischerkurs haben 15 TeilnehmerInnen ihre Wurftechnik optimiert und auch das obligate Fischerlatein nicht zu kurz kommen lassen. Es ist schön zu sehen, dass immer mehr Fliegenfischer am Gewässer stehen, ist es doch die fairste Fangmethode um unsere Farios zu überlisten. Dieses Jahr konnten wir wiederum Casting-Weltmeister Freddy Grüniger und Fliegenfischerexperte Werni Glanzmann als Instruktoren gewinnen welche ihr Wissen mit viel Geschick weitergaben. Am Neu- und Jungfischerkurs haben dieses Jahr 37 Personen teilgenommen. Wir waren wiederum in der vereinseigenen Anlage in Silenen welche sich für diesen Anlass ausgezeichnet eignet. Jeder Teilnehmer hatte die Gelegenheit einen Fisch zu fangen. Somit konnte man die waidgerechte Fischerei in der Praxis sehr gut erläutern. Die Form des Neu- und Jungfischerkurses fand ein sehr gutes Echo. Erstmals haben wir in diesem Jahr am 6. Juni einen Praxistag am Golzernsee mit den interessierten Neu- und Jungfischern verbracht. Leider hatten die Fische an diesem Tag keinen Hunger oder zu grossen Respekt vor so vielen Anglern, wir hatten entsprechend am Abend eine schlechte Ausbeute zu verzeichnen. Nichtsdestotrotz war die Stimmung sehr gut und wir haben uns bereits entschieden im nächsten Jahr dieselbe Aktion wieder durchzuführen und zwar am 2. April den Neu- und Jungfischerkurs in Silenen und am 4. Juni den Praxistag in Golzern. Der Hauptbesatz in der Göscheneralp fand am 20. August beim traditionellen Mittagessen mit den Kraftwerkgewaltigen und der Urner Regierung in lockerer Form statt. Im weitern habe ich an diversen GV der befreundeten Verbände in der Innerschweiz teilgenommen.

Fischereikommission: In der Fischereikommission fanden seit der letzten GV 2 Sitzungen statt. Bekanntlich hat RR Markus Stadler nach seiner glanzvollen Wiederwahl als Regierungsrat die Finanzdirektion übernommen und wir haben mit Regierungsrat Stefan Fryberg einen neuen Fischereikommissionspräsidenten erhalten. Unter seiner Führung findet am 3. Dezember die erste Sitzung statt. Ich durfte unser neuer Kommissionspräsident bislang als sachkundige erfrischend humorvolle Person kennen lernen und freue mich heute schon auf eine erspriessliche Zusammenarbeit. Das Bewirtschaftungskonzept für Fliessgewässer ist von Fischereibiologe Marrer erstellt worden, jedoch aber noch nicht in der Kommission behandelt, entsprechend kann ich noch nicht viel dazu schreiben. Die Fischereiverwaltung hat unter der Leitung von Hansruedi Zieri und Konrad Colombo einen Atlas über Fische, Rundmäuler und Krebse im Kanton Uri herausgegeben, dieser ist für Fr. 85.00 bei der Fischereiverwaltung zu erhalten. Der Atlas zeigt alle Gewässer im Kanton, die Artenvielfalt der Fische und auch die Zustände über die natürliche Fortpflanzung. Ich bin der Meinung dass dieser Ordner für jeden interessierten Fischer ein Muss ist und möchte es der Fischereiverwaltung nicht unterlassen, für dieses hervorragende Werk zu gratulieren. Die AlpTransit Gotthard AG hat Aufgrund hartnäckigen Verhandlungen des Kantons und deren Einsprache des UFV den Walenbrunnen als Ersatzmassnahme zu revitalisieren. Nach Möglichkeit wird Benno Bühlmann an der GV die Pläne aufzeigen. Ich bin mir sicher, dass dieses Gewässer für alle insbesondere uns Fischern eine grosse Bereicherung sein wird. Im weitern danke ich den Kommissionsmitgliedern für die angenehme Zusammenarbeit.

Allgemein: In diesem Jahr wurde von Seiten der Berufsfischer anständig darauf hingewiesen, dass die Seefischer mit Schleikvorrichtung wieder vermehrt in Netze hineinfahren und hängen bleiben. Ich fordere die Seefischer auf mit der nötigen Toleranz und Vorsicht auf dem Urnersee zu pilotieren, entsprechend kommen alle gut nebeneinander vorbei. Im weitern haben wir am diesjährigen Seefischerhock beschlossen, dass wir diesen alle Jahre durchführen, er wird im Jahresprogramm ausgeschrieben. Schön ist es natürlich wenn die Berufsfischer auch an diesem Anlass teilnehmen werden, können so Anliegen vor Ort diskutiert werden. Erfreulicherweise konnte der Mitgliederschwund dieses Jahr gestoppt werden. Nichtsdestotrotz bin ich davon überzeugt, dass viele Fischer im Kanton Uri sich gar nicht bewusst sind in welch einem Eldorado wir fischen. Machen wir uns in guten Zeiten zu einem starken Verein, stehen zusammen und betreiben Werbung dafür. Zu den zwei Anträgen von der GV 03 Betreff Verlängerung der Rötelsaison und Laichverbesserung des Alplersees in Riemenstalden nimmt die Fischereiverwaltung an der GV dazu Stellung.

Dank: Zum Schluss bleibt mir der Dank an alle, die mit Rat und Tat dazu beigetragen haben, dass wir wieder ein erfolgreiches Vereinsjahr abschliessen können. Allen voran dem Vorstand. Der Dank geht auch an die Fischereiverwaltung, Fischereiinspektor Hansruedi Zieri und Anlagewart Joe Senn, die sich das ganze Jahr für die Fischerei einsetzen und welche für unsere Anliegen immer ein offenes Ohr haben. Herzlichen Dank aber auch allen ungenannten Helfern und Fronarbeitern, welche die tägliche Kleinarbeit an Gewässern, in den Anlagen und bei der Bewirtschaftung leisten. Nicht zuletzt danken möchte ich auch den Instruktoren der Kurse, sei es der Fliegenfischerkurs oder Neu- & Jungfischerkurs. Wir brauchen aber auch die Mitglieder, denen es nicht möglich ist, praktisch für die Fischerei tätig zu sein, die aber treu jedes Jahr ihren Mitgliederbeitrag einzahlen.

Gurtnellen 18. Oktober 2004   Roger Schillig, Präsident